Wandern auf dem Kapellenweg und über Streuobstwiesen: Auszeiten zum Verweilen in Scheidegg

Es gibt viele Varianten, gesunde Energie zu tanken. Eine bietet sicherlich die Natur. Im Westallgäuer Urlaubsdomizil Scheidegg stehen diesen Sommer geführte Wanderungen auf dem ökumenischen Kapellenweg mit Zeit zum Innehalten auf dem Programm sowie Samstagspilgern. Und entlang „alter“ Obstsorten geht es auf dem Streuobstwiesenweg. In Zeiten wie diesen erleben Wanderungen und Wege abseits des Rummels vielleicht ein Comeback.

Wo einst die Menschen von Quelle zu Quelle gegangen, zu Kraftorten gepilgert sind, locken heute Wanderwege. In Scheidegg geht es auf dem ökumenischen Kapellenweg zu 16 Kapellen – einige der einstigen Pilgerstätten sind zwischen 500 und 1000 Jahre alt, wie die Anna- oder die Ulrichskapelle. Wer hier nicht alleine wandert, sondern an einer geführten Wanderung mit Ambros Häring teilnimmt, lernt sie alle kennen. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende bringt die Gäste auf den teilweise exponierten Wegen, die den Blick weit in die Bregenzer und Allgäuer Bergwelt freigeben, bis zur österreichischen Grenze wo die Ulrichskapelle steht. Es ist „a bissle ein besonderer Platz“, sagt Häring. „Weit weg von den Ortschaften und abgelegen im Wald.“ Über eine Wiese geht man nach oben und hat dabei das Gotteshaus im Visier. Davor die Quelle, die bei Augenleiden helfen soll. Ganz anders zeigt sich die kleine Martinakapelle, die 1622 in der Pestzeit errichtet wurde. Das Gebäude mit seinen Heiligen im Innern ist komplett aus Holz.

Wieso macht Ambros Häring diese Wanderungen? „Ich kann den Gästen eine Auszeit für einen Tag anbieten, bei der sie sich um nichts kümmern müssen.“ Für jede Kapelle hat er sich passende Impulstexte ausgedacht, die er vorliest. „Die Texte sind überkonfessionell und sollen zu innerer Ruhe verhelfen“, sagt er. Manchmal gehört auch die Aufforderung zum schweigenden Gehen dazu. Zudem dürfen Wanderer an jeder Kapelle ein Kärtchen mit dem Namen des Gotteshauses und einem sinngebenden Spruch mitnehmen. Von 8 bis 16 Uhr geht die Wanderung, die am Scheidegger Kreuzberg in die Natur führt und an der Galluskapelle von 1635 endet. Wer eigenständig den 22 Kilometer langen Kapellenweg mit dem kleinen drei Kilometer langen verbindet, gelangt zu allen Gotteshäusern. Eine Karte dazu gibt es bei Scheidegg-Tourismus. Ein geführtes Samstagspilgern auf zirka 18 Kilometern mit Zeiten für Impulse findet am 29.08. und am 3.10. statt.

Lachen und Bewegen fördert die Gesundheit: Kneipp-Wanderweg
Dank der Lage auf sonnigen 800 bis 1000 Meter Höhe zwischen Alpen und Bodensee genießen die Gäste in dem Allgäuer Kur- und Ferienort bis spät in den Herbst hinein alle Annehmlichkeiten eines Heilklimatischen und Kneipp-Kurortes mit dem Prädikat „Premium-Class“. Ganz im Sinne Kneipps wird daher auch ein Kneipprundwanderweg, gespickt mit Sprüchen, Anekdoten und Witzen angeboten. 14 Kilometer lang ist der Rundweg und gefällt aufgrund seiner großartigen Ausblicke in die Allgäuer und Bregenzer Bergwelt.

Schattenspender im Sommer: alte Streuobstwiesen
In der Höhenlage rund um Scheidegg wurden in den vergangenen Jahrhunderten gut ans Klima angepasste Obstbäume angepflanzt: verschiedene Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten. Diese „alten“ Sorten feiern derzeit ihr Comeback. Auf der aussichtsreichen knapp zehn Kilometer langen Rundtour mit leichten Steigungen kommen Wanderer an mehreren alten Streuobstwiesen vorbei. Seit Generationen leben die Familien auf ihren Höfen und lassen bis heute sommers ihr Vieh unter den Bäumen weiden. Unterwegs informieren Tafeln über die Entstehung, die Veredelung oder die Kunst der Vermehrung dieser Obstbäume – eine Schweizer Wasserbirne wurde etwa schon 1823 in Hohenheim vermehrt. Start und Ziel ist das Scheidegger Kurhaus. Sehenswert ist der im landschaftlichen Kurpark angelegte Sortengarten. Mit seinen rund 60 Apfel- und Birnensorten leistet er einen wertvollen Beitrag, um das lebendige Kulturgut Streuobstwiese zu erhalten. Hier informiert eine Tafel über das Wirken des „Apfelpfarrers“ Korbinian Aigner aus Hohenpolding, der den Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege einst gegründet hat.

Weitere Infos:
Scheidegg-Tourismus, Rathausplatz 8, D-88175 Scheidegg, www.scheidegg.de, Telefon +49 8381 89422 33. Mehr zum Kapellenweg bei Scheidegg-Tourismus.

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Scheidegg / Lauingen, 15. Juli 2020

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Download Bild: Die hübsche Wendelinskapelle ist dem Schutzpatron der Bauern gewidmet.
Copyright: Wolfgang Kleiner / Scheidegg-Tourismus

 

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